M&F PRÄSENTIERT 05 RUNDEN UFC HAUPT- KAMPF HARDCORE-KÄFIG- KAMPF
NICHT IN DIE AUGEN STECHEN, BITTE
Von Joe Wuebben
Sind Sie je zuvor dem Tod nahe gewesen?
Vielleicht hat Sie gerade fast ein Auto überfahren? Sie kennen den Adrenalinschub, den Sie hatten? "So fühlt es sich an", sagt Ken Shamrock, als er gebeten wird, das Gefühl zu beschreiben, in einem von Zähnen umgebenen, achteckigen Käfig zu stehen, umgeben von mehr als 10.000 wilden Fans, darauf wartend, mit einem Mann zu kämpfen, der wahrscheinlich die Absicht hat, ihn bis zur Bewusstlosigkeit zu würgen oder eines seiner Beine zu brechen.
Im Studio ist auch das Leichtschwergewicht Chuck Liddell, auch als "The Ice Man" bekannt, weil der intensive Adrenalinschub des Achtecks seine Nerven nicht so in Aufruhr bringt wie bei einem durchschnittlichen Warmblüter. Er ist nur 1,88 m groß und wiegt 93 kg, aber Himmel, der Kerl hat einen Mohikaner-Haarschnitt und eine Tätowierung auf der Seite seines Kopfes. Als ehemaliger College-Ringer und Kickbox-Spezialist gibt Liddell zu, dass er nicht die Bodenkampf-Erfahrung von Shamrock besitzt, aber er fügt hinzu, dass er in seinem letzten Kampf "einen Kerl mit einem Tritt an den Kopf zu Boden geschickt hat." Wer braucht schon Bodenkampf?
"Das Grausamste, das ich je gesehen habe, war, als Ken Shamrock die Fersen von einem Kerl umklammerte und seinen Fuß in die andere Richtung drehte. Der Kerl schrie einfach nur", sagt Jujitsu-Experte Frank Mir. "Er zerstörte einfach den Unterschenkel des Kerls."
Dies sind die harten Erzählungen, die man hört, wenn man einige Stunden mit drei der härtesten Kämpfer des Ultimate Fighting Championship (UFC) Zirkel in Amerika verbringt, während sie versuchen, bei einem Fototermin einen blutigen Kampf für eine Zeitung zu simulieren, was übrigens unmöglich ist. Wer sind diese Kerle? Laut Shamrock sind sie die besten Kämpfer der Welt und einige der am besten konditionierten Athleten. Aber für den durchschnittlichen Betrachter, der die UFC nicht kennt, sind sie ein gewalttätiger Haufen undisziplinierter Irrer. Warum sonst würden sie sich dreimal pro Jahr in einen Käfig sperren lassen, um gegeneinander zu kämpfen?
Eine starke Verteidigung
Brutal ist das Letzte, das Shamrock den UFC nennen würde. "Wenn man Boxen oder Rugby nicht brutal nennt, dann würde ich diesen Sport auch nicht brutal nennen." Ironischerweise sagte der 39-Jährige, der immer noch "Gefährlichster Mann der Welt" betitelt wird, diese Worte, kurz bevor er eine Liste mit den grausamsten Verletzungen, die er je verursacht hat, betrachtet. "Ich brach einem Kerl den Kiefer, verdrehte das Genick eines anderen, brach einen Knöchel, zertrümmerte ein Knie - ich war ein recht guter Bodenkampf-Spezialist in meinen Tagen und ich brach vielen Kerlen die Beine und Arme. Aber das ist keine Absicht. Ich gehe nicht dort raus und sage ‚Ich werde diesem Kerl das Bein brechen.' Aber ich gehe aggressiv in den Kampf."
"Es ist ein tödlicher Sport, aber er ist nicht brutal", sagt Mir, der 15 Jahre jünger, 20 kg schwerer und, falls Sie es noch nicht erraten haben, wahrscheinlich gefährlicher als der legendäre Shamrock ist. "Wenn Sie und ich Helme aufsetzen und uns gegenseitig mit Vorschlaghammern schlagen würden, Himmel, das wäre brutal. Aber wenn ich Ihnen ein Messer gebe und mit einem Stoß erledigt bin, dann ist das tödlich. Das ist es eher, was Sie beim UFC sehen (außer dem Messer). Da die Bewegungen, die wir nutzen dürfen, so tödlich sind, kann ein Kampf so schnell enden, dass der Körper nicht viel Trauma erfährt."
Brutal oder nicht, ein überstreckter Ellbogen, ein gebrochenes Schienbein oder ein bewusstloser Kämpfer auf einem mit Blut getränkten Boden ist beim UFC, der ursprünglich als teuf lischster Sport der Welt, ein primitiver Kampf, wo zwei Männer in das Achteck gehen und nur einer herauskommt, bezeichnet wurde, nicht ungewöhnlich.
"So hat es der ursprüngliche Besitzer vom UFC vermarktet und es war toll, weil sie 300.000 pay-per-views verkauften", sagt Dana White, Präsident des UFC. "Aber letztendlich kamen Senator John McCain und ein paar andere Politiker und sagten ‚Das ist falsch und wir wollen es nicht mehr im TV.' Also kauften wir die Firma vor ca. zweieinhalb Jahren, machten genau das Gegenteil von dem, was der alte Besitzer tat. Er wandte sich ab von Genehmigungen, wohingegen wir zu den athletischen Kommissionen gingen und fragten ‚Wie können wir mit euch arbeiten, um diesen Sport sicherer zu machen?' Wir wollten, dass diese Sache genau das ist, was sie ist, nämlich ein Sport. An allen Orten, an denen man eine Boxveranstaltung sehen würde - das ist jetzt genehmigt.
Der Unterschied bei diesem Sport ist, dass man beim Boxen einen Kerl an den Kopf schlagen muss, bis er bewusstlos wird", sagt White. "Eines der größten Missverständnisse beim Boxen sind die Handschuhe. Der Handschuh soll nicht Ihren Kopf schützen, er soll Ihre Hand schützen, so dass Sie öfter auf den Kopf eines Kerls schlagen können, ohne sich die Hand zu brechen. Die Natur dieses Sports ist viel brutaler als die des UFC."
UFC Regeln
"Keine Grenzen" beschrieb den UFC bei seiner Gründung, ca. 1993. Ein Jahrzehnt später - der UFC feierte am 6. Juni gerade seinen 43. Wettkampf in Las Vegas - sind 30 oder mehr Regeln hinzugefügt worden, um die Brutalität zu mindern und die Kämpfe freundlicher für die Zuschauer zu gestalten (siehe "Was UFC Kämpfer nicht dürfen" für einige Beispiele).
Dennoch, Mixed Martial Arts (gemischter Kampfsport, der fragliche Sport, von dem UFC eine oberste Institution ist) ist eine tödliche Kombination von mehr als 30 Disziplinen des Kämpfens, inklusive Boxen, Judo, Karate, Kickboxen, Jujitsu und Ringen. Die Kämpfer werden oftmals allein mit einem Schiedsrichter in einem achteckigen Käfig gelassen, mit nackter Brust und ohne Schuhe, mit nur dünn gepolsterten Handschuhen, um die Auswirkung ihrer Schläge zu verringern. Außerhalb der verbotenen Bewegungen ist alles andere faires Spiel, inklusive Tritte, Schläge, Knie, Ellbogen - Sie nennen es.
Ein Kampf ohne Meisterschaft besteht aus drei fünfminütigen Runden, während ein Meisterschaftskampf über fünf Runden geht. Beide haben eine einminütige Pause zwischen den Runden. Es gibt mehrere Wege für einen Kämpfer, einen UFC Kampf zu gewinnen, da viele die Distanz nicht schaffen. Wie beim Boxen kann ein Kämpfer durch Entscheidung, KO oder technischen KO bzw. eine Reihe von Bodenkämpfen, was ein Markenzeichen des UFC ist, gewinnen.
Hier die Sache mit Bodenkämpfen: Ein Kerl bringt Sie in eine Position, in der (a) er Sie im Würgegriff hat, dem Sie nicht entkommen können oder (b) er ein Gelenk (Knie, Ellbogen, Knöchel oder was auch sonst) ernsthaft schädigen wird oder Ihnen eine Gliedmaße bricht. Sie können aufgeben, entweder körperlich, indem Sie auf den Gegner klopfen, oder verbal. Massive Verletzung abgewandt, Kampf vorbei.
"Eines der besten Dinge bei diesem Sport ist, dass Sie in der Lage sind, aufzugeben", sagt White. "Diese Kerle wissen, wann sie in einer schlechten Position gefangen sind und sie können aufgeben und es ist keine große Sache. Erinnern Sie sich daran, als der Boxer Roberto Duran "No mas" sagte? Er hatte sich für den Rest seiner Karriere lächerlich gemacht. Das gibt es beim UFC nicht.
Bodenkampf ist absolut faszinierend. Das Entscheidende am Bodenkampf ist der Glaube, dass 90 % aller Kämpfe am Boden enden, und was macht man, wenn man dort liegt? Ich werde es Ihnen sagen: Wenn man einen Monat in die Schule für Bodenkampf gegangen ist, dann wäre der Durchschnittsmann auf der Straße nicht in der Lage, es mit Ihnen aufzunehmen. Sie könnten all Ihre Freunde links und rechts fertig machen."
Käfigbewohner
Eine Sache, die Sie vielleicht überraschend finden, ist, dass die meisten dieser Kerle studiert haben - viele waren im College Ringer, was ein Grund ist, warum sie so erfolgreich beim UFC kämpfen können, und machten ihren Abschluss. Eine weitere Enthüllung ist, dass sie sehr respektvoll sind, da sie Kampfsportler sind.
Mit Mir hat man einen puren Kämpfer mit dem Körperbau eines mittleren Linebacker: 1,85 m groß, 114 kg groß mit gewaltigen Quadrizeps und Gesäßmuskeln, die unter seinen schwarzen Jujitus-Shorts kaum zu verstecken sind. Gelernt bei Kampfsportlern und mit Tattoos von seinen Armen bis zu seinen Bauchmuskeln hat Mir überall "Fighter" auf ihm stehen, buchstäblich. Aber Sie werden auch bemerken, dass er ein typisch amerikanisches Aussehen und eine Stimme, die sich wie Ben Affleck anhört, besitzt. Trotz des guten Aussehens könnte Mir, ein Spezialist für Bodenkampf, in Sekunden Ihre Knie brechen oder Ihnen die Luftröhre abdrücken, wenn er es wollte. Nicht, dass er es tun würde - es sei denn natürlich, Sie würden mit ihm im Ring stehen.
Dasselbe gilt für Liddell, minus 25 kg. Im einen Moment wirft er luftige Tritte an einen Sandsack, bringt fast die Decke des Studios zum Einstürzen. Im nächsten Moment beantwortet er Ihre Fragen zum UFC mit geschliffenem Benehmen. "Es ist ein harter Sport", sagt er. "Aber wir sind keine Neandertaler. Dem Kerl, mit dem ich als nächstes kämpfe, Randy Couture, will ich im Ring den Kopf abreißen. Ich werde versuchen, ihm weh zu tun. Aber ich mag ihn, er ist ein netter Kerl. Wir haben 10 Tage nach dem Kampf ein Trainingsseminar zusammen."
Und sehen Sie nur Shamrock. Dies könnte wirklich der am härtesten aussehende Kerl sein, den Sie je gesehen haben, mit einem Gesicht, gegerbt wie Rohleder und einer Nase, die aussieht, als sei sie hunderte Male gegen einen Zaum mit Stacheldraht geschlagen worden. Kann mir kaum vorstellen, warum. Aber er lacht, wenn man ihn Den Gefährlichsten Mann der Welt nennt, sagt, dass der Name überhaupt nicht passt. Dann fragt man ihn, was er tun würde, wenn irgendein Betrunkener in einer Bar sich mit ihm anlegen wollte. "Nichts würde passieren. Ich würde gehen. Ich habe keine Zeit für so etwas", sagt er.
Ruchloser Haufen Kerle, oder?
Kampfbedingungen
Sie sagen, dass der UFC Kämpfer der Athlet mit der besten Kondition der Welt ist. Shamrock, im Zwielicht einer Karriere, in der er gegenwärtig noch professionelles Wrestling in Japan mit dem UFC kombiniert, ist ein Beispiel für kluges Training. Dinosaurier-Training, wie er es nennt, wo er merkwürdig geformte und schwere Objekte wie Sandsäcke und übergroße Langhanteln stemmt. Mit 39 ist sein Körper gemeißelter als der seiner jüngeren Gegenspieler Mir und Liddell.
Aber nichts gegen diese Jungs. Liddell macht Sparringstraining und ringt sechs Tage pro Woche zusätzlich zu drei Tagen Gewichtstraining. "Beim UFC haben all die Kerle Fachwissen in allen Facetten des Kämpfens", sagt Liddell. "Und man muss für all die unterschiedlichen Bereiche trainieren. Es ist eine andere Art von Kondition für das Ringen als für das Schlagen (Stehkampf). Man kann in toller Schlagform sein und um Luft ringen, sobald man auf die Matte geht, oder auch umgekehrt. Viel davon hat mit Bequemlichkeitszonen zu tun - es ist bequemer, nur zu ringen oder nur zu schlagen."
Mir, ein 24-jähriges Phänomen, dessen Körper all das tut, was er von ihm verlangt, was er auch voll ausnutzt, beschreibt mir einen typischen Tag seines Trainingsplans.
"Mein Training ist in drei unterschiedliche Aspekte aufgeteilt: Schlagen, Greifen und Kondition. In einer Schlageinheit liegt die Hauptkonzentration auf Sparring, mit 4-8 Runden unter Verwendung aller Regeln des Stehkampfes, die erlaubt sind. Wir konzentrieren uns auf Pratzen, machen Sandsack- und Pratzenarbeit, eigentlich das, was ein Kickboxer in einer Einheit ausführt.
In einer Greifeinheit kommt Bodenkampf hinzu. Ich werfe Leute um und arbeite an Griffen, um den engeren Kampf unserer Kunst zu betonen.
Der Konditionsteil meines Trainings ist das Laufen, Sprints und Gewichtstraining. Ich trainierte viermal pro Woche mit Gewichten und laufe zwischen 36,5 km, 2-3-mal pro Woche. Am Ende der Laufeinheiten mache ich noch 5-10 35 m-Sprints.
Die drei wechseln je nachdem, was an dem Tag das Härteste ist. Wenn mein Sparring z.B. am schwersten sein wird, hebe ich es mir für den Abend auf, wenn ich all meine Mahlzeiten gegessen habe und nicht so steif wie am Morgen bin."
Ein typischer Tag beginnt für Mir ungefähr um 12.00 Uhr mit zwei Stunden Sparring, etwas Schattenboxen und Pratzentraining am Ende, je nachdem, was er und sein Trainer für wichtig halten. Er trainiert während der Schlageinheiten auch seine Bauchmuskeln, indem er jemanden einen Medizinball auf seinen Bauch werfen lässt oder seine Mittelpartie mit ca. 60 % Intensität mit Handschuhen schlagen lässt.
Er geht dann nach Hause, isst etwas, entspannt und ist um 17.30 Uhr wieder im Studio, um anderthalb Stunden Greifen zu üben. Dabei wird es richtig intensiv.
"Eine Übung, die wir machen, ist der Hai-Drill. Ich bin in der Mitte des Rings und 4-5 Kerle werden an den Außenseiten sein. Jeder Kerl hat eine Priorität: Einer soll mit mir boxen, der andere tritt mich, einer versucht, mich zu Boden zu bringen und der andere ist innerhalb meiner Reichweite und schlägt zu, ein weiterer kümmert sich um meinen Rücken. Ich bin sieben Minuten in der Mitte und mein Trainer schickt einen Kerl nach dem anderen je 30 Sekunden in den Ring. Wenn ein Kerl geht, kommt sofort der nächste. Somit kann jeder Kerl frisch und hart kämpfen, während ich keine Pause bekomme.
Das Training ist eigentlich härter als der Kampf. Die Schläge sind echt - wir tragen einen Kopfschutz beim Training. Wenn jeder im Studio nur halbherzig kämpft und wir dann in einen echten Kampf gehen, wird es viel schlimmer sein. Aber in den letzten sechs Wochen habe ich Kerle gesehen, die mir alles geben und wenn ich dann in einen Kampf gehe, weiß ich, dass er nur das bringen kann, was auch meine Partner gemacht haben. Er kann sie nicht übertreffen. Ich bin gegen vier oder fünf Kerle angetreten, die so schnell wie möglich gekämpft haben und kein Mensch kann das übertreffen."
Mirs Trainingsprogramm mit Gewichten wird in Drücken, Ziehen und Beine (siehe Frank Mirs Gewichtstraining) aufgeteilt. "Das Gewichtstraining ist für mich wichtig, um meine Sehnen stark zu halten und Verletzungen zu verhindern. Ich trainiere meistens schwer, mit ca. 5-6 Wiederholungen, um Power und Kraft zu steigern. Mir ist es wirklich egal, wie ich aussehe, nicht so wie ein Bodybuilder. Wie gut kann ich auf dem Rücken liegend, nachdem ich ausgeknockt wurde, schon aussehen?"
Hohes Kaliber
Also bei näherer Betrachtung ist "brutal" vielleicht nicht der beste Begriff, um Ultimate Fighting zu beschreiben. Grausam? Manchmal ja - aber das ist American Football auch manchmal.
Zumindest kann man über eine Sache nicht diskutieren. Diejenigen, die beim UFC kämpfen, sind Kampfsportler und Athleten von höchstem Kaliber. Wenn Sie das bezweifeln, nun...gehen Sie in das Achteck und sagen Sie es ihnen selbst. |
 |