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EIN DEUTSCHER TRAUM

Untitled Document EIN DEUTSCHER TRAUM
INTERVIEW VON CLAUDIA NOLDEN
Norbert Heisterkamp liebt - wie seine Rolle in „Alles Atze“ - das Bodybuilding


Auch wenn der Begriff vom „Amerikanischen Traum“ häufig genutzt wird, um eine sagenhafte Karriere zu beschreiben, ist Norbert Heisterkamp lebendes Beispiel dafür, wie solch ein Werdegang in deutschen Landen funktionieren kann.
Doch Norbert steht noch für zwei weitere Phänomene: zum einen zeigt er einer Öffentlichkeit, die jede noch so geringfügig skandalöse Prominenten-Geschichte förmlich aufzusaugen scheint, wie man als bescheidener und hart arbeitender ‚Star’ strahlen kann. Zum anderen ist er lebender Beweis, wie das Training des Körpers nicht nur die Optik verbessert, sondern auch andere Bereiche des Lebens in unerwartete Bahnen lenkt. Ob als erfolgreicher Stuntman/Stuntkoordinator, Schauspieler, Familienvater oder unverzichtbare Figur Harry Möller in der RTL-Comedyshow „Alles Atze“, seine Einstellung ist Bestandteil seines Erfolgs.

POLE POSITION
Der deutsche Traum von Norbert Heisterkamps filmischer Karriere begann mit einer umkehrten Symbolik – einer roten Ampel (wo grün doch viel passender gewesen wäre). Norbert, der nach der Schule eine Lehre als Elektriker gemacht hat und sich zusätzlich zum Schlosser und Schweißfachmann ausbilden ließ, arbeitete zu dem Zeitpunkt bei der Ruhrkohle in Gladbeck. Auf dem Heimweg von der Arbeit hielt er an einer roten Ampel und sah das Hinweisschild zum Bavaria Filmpark, der kürzlich dort eröffnet hatte. „Ich war damals sehr gut im Training, hatte bereits meine erste Meisterschaft bestritten und trug diesen typischen Dolph Lundgren-Haarschnitt“, erinnert sich Norbert lachend. Bei einer Körpergröße von 1,92 m und einer stattlichen Statur war er ein echter Hingucker und das blieb auch den Produzenten des Bavaria-Filmparks nicht verborgen, bei denen er sich spontan vorstellte. Die waren fasziniert von der Idee, Norbert in einen schwarzen Mantel zu stecken, ihm eine dunkle Sonnenbrille aufzusetzen und in eine Stuntshow einzubauen. Der Startschuss war gefallen, der Ball rollte.
Mehr als nur ein Freund verlies das (auslaufende) Schiff, als sich Norbert kurzerhand entschied, seinen festen Job bei der Ruhrkohle zu kündigen, um nun als Stuntman Karriere zu machen. Und auch wenn Stuntman als Beruf nicht geschützt ist, konnte Norbert bei einer Ausbildung in München das nötige Handwerkszeug für diese Aufgabe erlernen und war schon bald im Einsatz für Sendungen wie z.B. „Der 7. Sinn“. Doch es sollte weit über diese sprachlosen Einsätze hinausgehen. Bei einem Stunteinsatz für den „Tatort“ suchten die Produzenten händeringend nach der idealen Besetzung für einen Türsteher und Norbert schien aufgrund seiner Erscheinung nicht gerade als ungeeignet. Auf einen Satz bei seiner ersten Schauspielrolle folgten Castings und größere Dialoge. „Die Sätze wurden immer mehr und länger. Dass ich jetzt hier sitzen würde und zwei wichtige Preise mitgewonnen habe, hätte ich mir nie träumen lassen“, sagt er.

ALLES HARRY?
Bei den beiden Preisen bezieht er sich auf den Deutschen Fernsehpreis und den Deutschen Comedy-Preis, die in diesem Jahr an die RTL-Show „Alles Atze“ gingen und in der Norbert neben Atze Schröder einen der Hauptakteure spielt. „Harry war für die Folgen eigentlich gar nicht geplant, aber ich glaube, ich konnte im Pilotfilm wirklich überzeugen“, sagt Norbert. Harry Möller, das ist die Rolle des leicht naiven, aber immer sympathischen Essener Freizeit-Bodybuilders, der mit seinem besten Freund Atze Schröder die Höhen und Tiefen des Lebens meistert. Und so viel Spaß, wie die Show den Zuschauern, die ihre Begeisterung mit unglaublichen Einschaltquoten zum Ausdruck bringen, macht, so viel Spaß haben auch die Darsteller bei der Arbeit. „Wie viele Szenen mussten Atze und ich abbrechen, weil wir vor lauter Lachen zusammengebrochen sind und uns die Tränen kamen“, witzelt Norbert. Im Frühjahr beginnen die Dreharbeiten zur fünften Staffel, die aufgrund des enormen Erfolgs aus 13 Episoden bestehen wird. Bei all dem Erfolg vergisst Norbert zwar nicht, zu erwähnen, dass es auch eine Menge Arbeit ist, aber irgendwie scheint er eine sehr gesunde Balance zwischen Konzentration und Spaß an der Arbeit gefunden zu haben. Er ist dafür bekannt, hochkonzentriert an seinen Job zu gehen und zu versuchen, die Szene schon beim ersten Mal optimal im Kasten zu haben. Und das ist gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass es schon mal passieren kann, dass eine Szene umgeschrieben wird und er abends ein Fax über mehrere Seiten bekommt, die am nächsten Drehtag um 7.00 Uhr morgens sitzen müssen.
Erfolg hin, Erfolg her, sein herzliches Lachen und seine entspannte Einstellung machen Norbert zu einer echten Bereicherung für die deutsche Prominenten-Landschaft, auch wenn er dieses Wort gar nicht so gern hört. „Ich kann mit dem Wort Promi nichts anfangen. Ich will einfach einen guten Job machen und die Leute zufrieden stellen. Es ist doch angenehm, wenn mich die Leute erkennen und ein Autogramm wollen, das ist ihr gutes Recht. Wenn ich am Mittagstisch sitze und ein kleinen Mädchen kommt und will ein Autogramm, natürlich lege ich dann mein Besteck beiseite und schreibe ein Autogramm, sonst muss ich wegbleiben. Man darf nicht vergessen, wir Schauspieler leben von den Leuten, das vergessen viele immer. Da muss man sich selbst auf den Boden zurückholen“, sagt er.
Neben seiner Hauptrolle in „Alles Atze“ gibt es natürlich noch andere Projekte, die Norbert sehr am Herzen liegen. So spielt er zum Beispiel eine kleinere Rolle in dem Film „Das Wunder von Legende“, die ihm sehr wichtig war, weil das Werk ein Stück deutsche Geschichte ist, und er hat gerade den Kinderfilm „Mein Bruder ist ein Hund“ in Erfurt abgedreht. Des Weiteren wird er als einer der Zwerge („Bei 1,92 m plus Zipfelmütze, wer sonst?“) in dem neuen Kinofilm von Otto Walkes zu sehen sein.
Etwas, das ihm nach wie vor sehr viel Spaß macht, ist die Stuntkoordination, auch wenn sich sein eigener Einsatz nach den Drehtagen richtet, schließlich darf sich ein so wichtiger Hauptakteur nicht zu Drehbeginn verletzen. In dieser Aufgabe ist er quer durch die deutsche Fernsehlandschaft zu sehen und hat z.B. in Serien wie „Balko“, „Tatort“, „Ein Fall für 2“ und „Die Kommissarin“ mitgewirkt.

PS UND EISEN
Wenn Norbert nicht gerade mit Dreharbeiten beschäftigt ist, was in diesem Jahr eigentlich Dauerzustand war, dann genießt er die Zeit mit seiner Familie (Norbert ist verheiratet und hat drei Kinder) oder frönt seinem zweiten Hobby, dem Rennfahren. In einem von Opel gesponserten Team nimmt er an der Deutschen Langstreckenmeisterschaft teil und sitzt, wenn es seine Zeit erlaubt, hinter dem Steuer eines rasanten Fahrzeugs. Für diese Aufgabe hat er vor Jahren eigens drei Tage auf dem Nürburgring verbracht und seine C-Lizenz als Fahrer gemacht. Das ist sicherlich keine schlechte Ergänzung, wenn es um Auto-Crashs in seinem Stuntjob geht.
Hobby und Stressbewältigung Nr. 1 ist und bleibt aber das Training, dem er viel Tribut für seinen beruflichen Erfolg zollt. „Ich habe dem Bodybuilding unheimlich viel zu verdanken, denn meine Größe und Statur waren maßgeblich an meinem Erfolg beteiligt“, sagt Norbert anerkennend. Und dabei wäre es nie dazu gekommen, wenn es nach Eltern und Ärzten gegangen wäre. Als Jugendlicher waren die Wachstumsschübe von Norbert einfach zu viel für seinen Körper und er bekam starke Probleme mit seiner Wirbelsäule, musste tagsüber ein Stützkorsett tragen und nachts im Gipsbett schlafen. Trotz Sportverbot hatte er irgendwie die Nase voll davon, warf alle Hilfsmittel aus dem Fenster und begann mit dem Bodybuilding. Seine Eltern waren am Boden zerstört und wahrscheinlich ebenso überrascht, als sich das Training als wahres Heilmittel herausstellte. Irgendwann hatte es Norbert durch das Training nicht nur geschafft, seine Rückenprobleme in den Griff zu bekommen, auch seine Form hatte sich so enorm verbessert (er beschreibt sich als eher zu dick in den Zeiten vor dem Sport), dass es Zeit war, sich auf einer Bühne zu präsentieren. Bescheidenheit auch hier, denn Norbert bekommt seine Teilnahmen und Platzierungen kaum noch auswendig auf die Reihe. Trotz guter Erfolge hatte er damals bereits seinen Job gekündigt und als Stuntman angefangen, so dass die Prioritäten auf Karriere und Geldverdienen verlagert waren und die Meisterschaftsteilnahmen das Nachsehen hatten. Dennoch, auch heute, nach mehr als 20 Jahren, kann er sich ein Leben ohne Training nicht vorstellen, wobei er ein Verfechter der freien Gewichte ist, das ist ehrliche Arbeit für ihn. Seinem vollen Terminkalender entgegen kommt dabei der Studiobesitzer Horst Neugebauer, der ihm voller Vertrauen einen Schlüssel für das Studio überreicht hat, so dass Norbert jederzeit an die Gewichte gehen kann. M&F

Hier alle Einsätze von Norbert auf dem TV-Bildschirm oder der großen Leinwand aufzuzählen, würde endlos lange dauern, aber wir freuen uns darauf, ihn bald in neuen Folgen von „Alles Atze“ sowie anderen Projekten sehen zu können. Wenn Sie mehr über diesen sympathischen Riesen erfahren möchten, besuchen Sie seine Internetseite www.norbertheisterkamp.de.
JANUAR 2004

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